Wissenswertes über das Kreisblasorchester Ostallgäu e.V.

Entstanden ist die Idee für das Kreisblasorchester Ostallgäu (KBO) anlässlich einer Präsentation aller Landkreise bei der Allgäuer Festwoche im August 2000.

In dessen Folge fanden Konzerte in unterschiedlichen Formierungen statt. Im Frühjahr 2008 übernahm Klaus Reggel (Germaringen) den Vorsitz in der neu gewählten Vorstandschaft, gemeinsam mit seinem Sohn Stefan als musikalischen Leiter des Orchesters. Damit setzten sie den Grundstein für das heute erfolgreiche und renommierte symphonische Blasorchester des Ostallgäus.

Höhepunkte waren seither 2010 und 2014 die Teilnahme am „Deutschen Auswahlorchesterwettbewerb“, bei dem das KBO in der Kategorie „Kreisorchester“ jeweils den Sieg davontrug. In dessen Folge produzierte der Bayerische Rundfunk die CD „Sagenhafte Blasmusik – Eine Reise durch fremde Welten und Mythen“ in Zusammenarbeit mit dem KBO.

Angetrieben durch diese spannende Erfahrung wurde im Folgejahr gemeinsam mit Bundesfinanzminister a.D. Dr. Theo Waigel das Konzert „Wendepunkte der Weltgeschichte“ veranstaltet. Neben musikalischen Highlights, wie der Welt-Uraufführung der Auftragskomposition „1989 – Mauer | Kontrafakturen“ vom jungen deutschen Komponisten Alexander Reuber, rundeten Informationen zu diesem Ereignis vom Zeitzeugen Herr Dr. Theo Waigel den Abend ab.

Die folgenden Jahre waren durch abwechslungsreiche Konzertprojekte, wie Galakonzerte mit Motto, Kirchenkonzerte mit Chor und Gemeinschaftskonzerte mit Big Band und Blechbläserensemble geprägt. Grundlage dieser Ideen sowie die Umsetzung der Projekte ist seit dieser Zeit ein Organisation-Team mit Mathias Dreher und Andreas Strobel an der Spitze.

Für das Jubiläumsjahr „20 Jahre KBO“ hat das Orchester den weltbekannten Solotrompeter Gàbor Tarkövi zu Gast, der als Highlight bei den Jubiläumskonzerten am 07.11.2020 um 19:30 Uhr im Passionsspielhaus in Waal und am 08.11.2020 um 17:00 Uhr im Stadtsaal in Kaufbeuren zu hören sein wird. Als besonderes Schmankerl wird Herr Tarkövi am 07.11.2020 zudem einen Meisterkurs für Trompeter, sowie allgemeine Workshops für Musiker anbieten, zu denen alle Musikbegeisterte herzlich eingeladen sind.

Unsere Auftragskompositionen im Überblick

Ein Märchenschloss - Impressionen auf Schloss Neuschwanstein"
Guido Rennert im Herbst 2010, Verlag: AuRen

Guido Rennert, Jahrgang 1973, ist Klarinettist im Musikkorps der Bundeswehr in Siegburg und hat sich inzwischen auch einen Namen als Arrangeur und Komponist erworben. Für die Teilnahme am 4. Deutsßchen Wettbewerb für Auswahlorchester im Herbst 2010 in Bamberg gab das KBO dieses Werk bei Rennert in Auftrag. 

Es fügte sich bestens, dass Rennert vor Erteilung des Auftrages anlässlich eines Konzertauftritts selbst erstmals in der Region Füssen war. Darüber hin aus hat er sich durch eine Sendung aus der ZDF-Reihe „Terra X“ detailliert mit dem Thema beschäftigt. Am Anfang des Stückes stehe das Schloss, die Landschaft und der See, erklärt er. „Eine unwirkliche Szenerie“, wie er meint, denn das Schloss passe eigentlich nicht ins Bild. Nach und nach erkenne man, was König Ludwig der Zweite für ein grotesker Mensch gewesen sei. „Er war intelligent, aber doch eine zerrissene Figur.“ Einige weitere Gegensätze zeichnen den König in Rennerts Augen aus. „Er war ein Ästhet, aber doch der einsamste Mensch der Welt, eine bedauernswerte Persönlichkeit, die aber doch etwas für die Ewigkeit geschaffen hat.“ Legt man Rennerts Selbstverständnis als Komponist und Arrangeur zugrunde („Ich mag es, Atmosphären zu schaffen.“), dann dürfte „Ein Märchenschloss“ das Zeug zu einer klingenden Visitenkarte für das Ostallgäu haben. 

Bei der vorliegenden Aufnahme handelt es sich um die Weltersteinspielung. 

Makassar - Life & Wood | Solo für Horn
Alexander Reuber im Sommer 2013, Verlag: AuRen

Die Parallelen zwischen Mensch und Natur sind seit jeher prägend und bemerkenswert. Besonders das Ebenholz „Makassar“ mit seiner einmaligen Struktur, die man als Lebenslinie bezeichnen könnte, spiegelt dies einzigartig wider. Meist ist sie geradlinig, manchmal jedoch verwirbelt sie regelrecht. Sie begibt sich geradezu in Turbulenzen und hat Schwierigkeiten zurück zu ihrer Kontinuität, zurück zu ihrer ursprünglichen Linie zu finden – genau wie es auch in der Lebenslinie eines Menschen passieren kann. 

Der Titel „Makassar – Liefe & Wood“ wurde bewusst von Markus Reggel, der dieses Stück komponieren ließ, gewählt. Seine Leidenschaft zum Holz ließ ihn die Parallelen zwischen Natur und Menschen bzw. zwischen der Struktur von Makassar und einem menschlichen Leben erkennen. Dieses Stück beschreibt die Vielseitigkeit und die Unvorhersehbarkeit eines individuellen Lebens: Angst und Schicksalsschläge genauso wie Hoffnung, Freude, Trauer, Mut und Liebe. 

Eigens für dieses Stück ist ein gleichnamiges, nie dagewesenes Instrument aus Holz gebaut worden. Als reines Rhythmus-Instrument, welches zeitweise vom gesamten Orchester gespielt wird, stellt es den Lebensrhythmus dar, in den jeder Mensch unweigerlich „hineingezwungen“ wird. Dieser Rhythmus setzt im Mittelteil ein und ist bis zum Schluss Bestandteil des Werks. Der Schlussteil beschreibt den Sieg und die Freude über die Überwindung aller Widrigkeiten. Ein neuer Abschnitt der Linie beginnt… 
 


1989 - Mauer | Kontrafakturen
Alexander Reuber im Sommer 2014

Alexander Reuber, Jahrgang 1986, stammt aus Olpe. Musikalisch wuchs er als Trompeter im heimischen “Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Olpe” auf und leistete seinen Wehrdienst im “Musikkorps der Bundeswehr” in Siegburg. 2012 schloss er sein Trompetenstudium in Essen mit “sehr gut” ab. Seit 2010 studiert er zusätzlich Komposition und Instrumentation. Seit seinem 16. Lebensjahr schrieb er spezielle Arrangements für den Musikzug Olpe, aber inzwischen schreibt er auch für professionelle Ensembles wie z.B. German Brass. Nach einem Besuch bei Hans Zimmer in Los Angeles (USA), bestärkte und inspirierte dieser ihn in seinem Vorhaben sich noch intensiver mit der Komposition, Produktion und Verwirklichung eigener Werke und Projekte zu befassen. Als Auftragswerk für das Kreisblasorchester Ostallgäu schaffte er im August diesen Jahres das Stück „1989 – Mauer | Kontrafakturen“. 

Die Jahreszahl und der Begriff „Mauer“ erklären sich von selbst. Den Begriff „Kontrafakturen“, also Gegenentwürfe hat der Komponist in den Untertitel aufgenommen, weil er die Hymnen beider deutscher Staaten in einen neuen Kontext gebracht und in Beziehung zueinander gestellt hat. Man hört jedoch nie die Hymnenthemen, sondern nur kleine „Hymnensplitter“, die sich durch das gesamte Stück ziehen. „Außerdem fand ich“, so der Komponist, „dass in Kontrafaktur irgendwie das Wort ‚Fraktur’ mitschwingt, was ebenfalls zur Thematik passt.“ Deshalb stehe auch „Mauer“ vor „Kontrafaktur“. 

Die Form des Stückes leitet sich aus der Jahreszahl 1989 ab. Die einzelnen Formteile stehen im Zeitverhältnis 1-9-8-9-8-9-1, bei einer Spieldauer von etwa 10 Minuten. 

Wichtig war dem Komponisten, keine „Illustration“ der Historie zu erschaffen, oder eine Geschichte bzw. Handlung zu erzählen. „Darin sah ich die Gefahr, ein Statement nach dem Motto ‚DDR schlecht - Westdeutschland gut’ zu geben. So einfach kann man es sich nach meinem Dafürhalten nicht machen, denn dazu ist das Thema viel zu komplex.“ Reuber habe stattdessen versucht, sich der komplexen Thematik sehr „kühl“ zu nähern und die Stimmung einer ungelösten Spannung zu erzeugen.