Kreisblasorchester Ostallgäu – Sinfonischer Blasorchesterklang aus dem Landkreis Ostallgäu

Die Geburtsstunde des Kreisblasorchesters Ostallgäu (KBO) war zur Jahrtausendwende, anlässlich der Allgäuer Festwoche im August in Kempten. Der damalige Landrat Adolf Müller hatte die Idee, ein Orchester ins Leben zu rufen, das den Landkreis musikalisch präsentiert.

Erste Konzerte konnten mit renommierten Dirigenten wie Freek Mestrini, Johnny Ekkelboom und dem früheren Vorarlberger Militärkapellmeister Karl Gamper gestaltet werden. Im Frühjahr 2008 übernahm Klaus Reggel (Germaringen) den Vorsitz in der neu gewählten Vorstandschaft, gemeinsam mit seinem Sohn Stefan als musikalischen Leiter des Orchesters. 2008 wurde eine Proben- und Konzertphase mit zwei Auftritten in Nesselwang und Stöttwang durchgeführt. 60 Musiker/innen aus dem Landkreis Ostallgäu und einigen Nachbarregionen formten das damalige Orchester. 2009 gab man ein Festkonzert im Rahmen des 30-jährigen Jubiläums der Berufsschule Marktoberdorf und zwei Gemeinschaftskonzerte mit dem Bezirksblasorchester Lindau (Leitung: Elmar Vögel).

Höhepunkt war in den Jahren 2010 & 2014 die Teilnahme am „Deutschen Auswahlorchesterwettbewerb“ in Bamberg und Siegen, bei welchen das KBO in der Kategorie Kreisorchester jeweils den ersten Bundespreis davon trug. Als Anerkennung für diesen Erfolg produzierte der Bayerische Rundfunk in Zusammenarbeit mit BR-Klassik 2012 eine CD mit dem KBO.

Anlässlich der CD-Präsentation organisierten wir im Jahre 2013 zwei Konzerte. Das erste Konzert fand gemeinsam mit der Brass Band A7 (Leitung: Johnny Ekkelboom) in Dietmannsried statt. Mit dem Motto „Projektorchester trifft Musiker in Uniform“ begaben sich die Musikerinnen und Musiker auf eine einmalige Musikreise mit dem damaligen Luftwaffenmusikkorps 1 München, Neubiberg (Leitung: OTL Karl Kriner) im Studio 1 des Bayerischen Rundfunks in München.

Im darauf folgenden Jahr gestaltete das KBO ein Galakonzert mit dem Titel „Wendepunkte der Weltgeschichte“ im MODEON in Marktoberdorf, was wiederum zu einem weiteren Meilenstein des Orchesters wurde. Dieses Konzert zum 25-jährigen Jubiläum des Mauerfalls stand unter der Schirmherrschaft von Bundesfinanzminister a.D. Dr. Theo Waigel, der auch selbst als Zeitzeuge während des Konzerts von seinen Erfahrungen zu diesem Ereignis berichtete. Es kam zudem zu einer Welt-Uraufführung der Auftragskomposition „1989 – Mauer | Kontrafakturen“ vom jungen deutschen Komponisten Alexander Reuber.

Zum 15-jährigen Jubiläum im Jahr 2015, gestallte das KBO drei Konzerte in Wald, Oberostendorf und Mindelheim. In dieser Zeit formte sich ein fester Stamm aus Musikerinnen und Musikern, der zu jedem Projekt von neuen motivierten (Musikerinnen und Musikern) Instrumentalisten ergänzt wurde. 2016 begab sich das KBO „auf die Suche nach Helden und Landschaften“ mit zwei Konzerten in Kaufbeuren und Marktoberdorf.

Wie Sie sehen – unserer Kreativität steht nichts im Wege. Wir möchten auch zukünftig allen Musikerinnen und Musikern eine Plattform bieten, um neue landkreisübergreifende Kontakte zu knüpfen.

Unsere Auftragskompositionen im Überblick

Ein Märchenschloss - Impressionen auf Schloss Neuschwanstein"
Guido Rennert im Herbst 2010, Verlag: AuRen

Guido Rennert, Jahrgang 1973, ist Klarinettist im Musikkorps der Bundeswehr in Siegburg und hat sich inzwischen auch einen Namen als Arrangeur und Komponist erworben. Für die Teilnahme am 4. Deutsßchen Wettbewerb für Auswahlorchester im Herbst 2010 in Bamberg gab das KBO dieses Werk bei Rennert in Auftrag. 

Es fügte sich bestens, dass Rennert vor Erteilung des Auftrages anlässlich eines Konzertauftritts selbst erstmals in der Region Füssen war. Darüber hin aus hat er sich durch eine Sendung aus der ZDF-Reihe „Terra X“ detailliert mit dem Thema beschäftigt. Am Anfang des Stückes stehe das Schloss, die Landschaft und der See, erklärt er. „Eine unwirkliche Szenerie“, wie er meint, denn das Schloss passe eigentlich nicht ins Bild. Nach und nach erkenne man, was König Ludwig der Zweite für ein grotesker Mensch gewesen sei. „Er war intelligent, aber doch eine zerrissene Figur.“ Einige weitere Gegensätze zeichnen den König in Rennerts Augen aus. „Er war ein Ästhet, aber doch der einsamste Mensch der Welt, eine bedauernswerte Persönlichkeit, die aber doch etwas für die Ewigkeit geschaffen hat.“ Legt man Rennerts Selbstverständnis als Komponist und Arrangeur zugrunde („Ich mag es, Atmosphären zu schaffen.“), dann dürfte „Ein Märchenschloss“ das Zeug zu einer klingenden Visitenkarte für das Ostallgäu haben. 

Bei der vorliegenden Aufnahme handelt es sich um die Weltersteinspielung. 

Makassar - Life & Wood | Solo für Horn
Alexander Reuber im Sommer 2013, Verlag: AuRen

Die Parallelen zwischen Mensch und Natur sind seit jeher prägend und bemerkenswert. Besonders das Ebenholz „Makassar“ mit seiner einmaligen Struktur, die man als Lebenslinie bezeichnen könnte, spiegelt dies einzigartig wider. Meist ist sie geradlinig, manchmal jedoch verwirbelt sie regelrecht. Sie begibt sich geradezu in Turbulenzen und hat Schwierigkeiten zurück zu ihrer Kontinuität, zurück zu ihrer ursprünglichen Linie zu finden – genau wie es auch in der Lebenslinie eines Menschen passieren kann. 

Der Titel „Makassar – Liefe & Wood“ wurde bewusst von Markus Reggel, der dieses Stück komponieren ließ, gewählt. Seine Leidenschaft zum Holz ließ ihn die Parallelen zwischen Natur und Menschen bzw. zwischen der Struktur von Makassar und einem menschlichen Leben erkennen. Dieses Stück beschreibt die Vielseitigkeit und die Unvorhersehbarkeit eines individuellen Lebens: Angst und Schicksalsschläge genauso wie Hoffnung, Freude, Trauer, Mut und Liebe. 

Eigens für dieses Stück ist ein gleichnamiges, nie dagewesenes Instrument aus Holz gebaut worden. Als reines Rhythmus-Instrument, welches zeitweise vom gesamten Orchester gespielt wird, stellt es den Lebensrhythmus dar, in den jeder Mensch unweigerlich „hineingezwungen“ wird. Dieser Rhythmus setzt im Mittelteil ein und ist bis zum Schluss Bestandteil des Werks. Der Schlussteil beschreibt den Sieg und die Freude über die Überwindung aller Widrigkeiten. Ein neuer Abschnitt der Linie beginnt… 
 


1989 - Mauer | Kontrafakturen
Alexander Reuber im Sommer 2014

Alexander Reuber, Jahrgang 1986, stammt aus Olpe. Musikalisch wuchs er als Trompeter im heimischen “Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Olpe” auf und leistete seinen Wehrdienst im “Musikkorps der Bundeswehr” in Siegburg. 2012 schloss er sein Trompetenstudium in Essen mit “sehr gut” ab. Seit 2010 studiert er zusätzlich Komposition und Instrumentation. Seit seinem 16. Lebensjahr schrieb er spezielle Arrangements für den Musikzug Olpe, aber inzwischen schreibt er auch für professionelle Ensembles wie z.B. German Brass. Nach einem Besuch bei Hans Zimmer in Los Angeles (USA), bestärkte und inspirierte dieser ihn in seinem Vorhaben sich noch intensiver mit der Komposition, Produktion und Verwirklichung eigener Werke und Projekte zu befassen. Als Auftragswerk für das Kreisblasorchester Ostallgäu schaffte er im August diesen Jahres das Stück „1989 – Mauer | Kontrafakturen“. 

Die Jahreszahl und der Begriff „Mauer“ erklären sich von selbst. Den Begriff „Kontrafakturen“, also Gegenentwürfe hat der Komponist in den Untertitel aufgenommen, weil er die Hymnen beider deutscher Staaten in einen neuen Kontext gebracht und in Beziehung zueinander gestellt hat. Man hört jedoch nie die Hymnenthemen, sondern nur kleine „Hymnensplitter“, die sich durch das gesamte Stück ziehen. „Außerdem fand ich“, so der Komponist, „dass in Kontrafaktur irgendwie das Wort ‚Fraktur’ mitschwingt, was ebenfalls zur Thematik passt.“ Deshalb stehe auch „Mauer“ vor „Kontrafaktur“. 

Die Form des Stückes leitet sich aus der Jahreszahl 1989 ab. Die einzelnen Formteile stehen im Zeitverhältnis 1-9-8-9-8-9-1, bei einer Spieldauer von etwa 10 Minuten. 

Wichtig war dem Komponisten, keine „Illustration“ der Historie zu erschaffen, oder eine Geschichte bzw. Handlung zu erzählen. „Darin sah ich die Gefahr, ein Statement nach dem Motto ‚DDR schlecht - Westdeutschland gut’ zu geben. So einfach kann man es sich nach meinem Dafürhalten nicht machen, denn dazu ist das Thema viel zu komplex.“ Reuber habe stattdessen versucht, sich der komplexen Thematik sehr „kühl“ zu nähern und die Stimmung einer ungelösten Spannung zu erzeugen.